Herbert Feuchte Stiftungsverbund

Informationstag für Eltern mit hör- und sprachbehinderten Kindern in Jena

Am 18. Mai veranstalteten die Forschungsgruppe „Soziale Potenziale bei Autismus“ des Instituts für Psychologie an der FSU Jena gemeinsam mit den Frühförder- und Beratungszentren des Herbert Feuchte Stiftungsverbunds an der Universität Jena einen Informationstag der sich um die Themen „Hören, Gebärden und Unterstützte Kommunikation (UK)“ drehte. Neben Eltern, waren auch Mitarbeiter*innen von Ämtern, Kindergärten und weiteren Einrichtungen und Institutionen unter den etwa 70 Gästen der Tagung.

Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung der Teams durch Gabriele Kühn, Leiterin der Frühförder- und Beratungszentren, nahm Prof. Dr. Schweinberger vom Institut für Psychologie der FSU Jena die Zuschauer und Zuhörer mit in eine Reise in das Menschliche Ohr. Sein Vortrag behandelte die Grundlagen des Hörens. Zunächst erläuterte er die Anatomie des menschlichen Hörens, ging dann auf zentrale psychologische Funktionen des Gehörs (sprachliche und emotionale Kommunikation, Personenerkennung, auditorische Lokalisation, Musik) ein und erläuterte ebenso die Psychophysik (Hör- und Schmerzschwellen und deren Frequenzabhängigkeit) sowie Perspektiven der Diagnose des Hörens einfacher und komplexer Schalle mit audiometrischen und elektrophysiologischen Verfahren.

Anschließend referierte Kerstin Töpel vom Frühförder- und Beratungszentrum Schleiz über den Stellenwert von kommunikativen Kompetenzen für eine Nutzung von Unterstützter Kommunikation (UK) und wie diese Fähigkeiten gefördert werden können. In Deutschland leben etwa 300.000 Menschen, die zwar hören aber nicht lautsprachlich sprechen können. Hier setzt eine individuelle Förderung im Bereich der Unterstützen Kommunikation (UK) an. Ziel ist das kompetente Nutzen von nicht-elektronischen oder elektronischen Kommunikationshilfsmitteln. So kann sichergestellt werden, dass Menschen mit einer Einschränkung im Bereich der aktiven Kommunikation bewusst, kompetent und selbstbestimmt an den unterschiedlichsten Aktivitäten teilhaben können.

Nach einer kurzen Kaffeepause, die den Besuchern auch Raum zum Austausch eigener Erfahrungen oder für Gespräche über die Vorträge bot, schloss sich der letzte Vortragsblock vor den Workshops an.

Kristin Hennies, vom Frühförder- und Beratungszentrum Erfurt, und Prof. Dr. Johannes Hennies, von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, berichteten in ihrem Vortrag vom Konzept und den Gelingensfaktoren bei der Umsetzung der ersten bimodal-bilingualen Gruppeninklusionsklasse Deutschlands in der Thüringer Gemeinschaftsschule am Roten Berg in Erfurt. Acht Kinder mit Hörbehinderung und zwei hörende Kinder gehörloser Eltern (Codas) besuchen hier gemeinsam mit hörenden Kindern den Primarbereich. Die beiden Referenten gingen in ihrem Vortrag auch detailliert auf die familienorientierte bimodal-bilinguale Frühförderung durch das FFBZ Erfurt und die von der Begleitforschung erfassten Ausgangskompetenzen bzw. individuellen Entwicklungsfaktoren der Kinder ein.

Nach der anschließenden Mittagspause, die viele Besucher für weitere Gespräche nutzten, wurden in zwei Durchläufen 5 verschiedene Workshops angeboten, sodass die Besucher an jeweils zwei Workshops teilnehmen konnten. Während der Pausenzeiten wurden auch die Informationsstände von Hörstil und REHAVISTA gut besucht. Hier konnte man sich über Hörgerätetechnik oder elektronische Kommunikationsmittel, Kommunikationstafeln und adaptiertes Spielzeug informieren und beraten lassen.

Die Mitarbeiter*innen der Frühförder- und Beratungszentren Schleiz, Erfurt, Jena und Gera sowie das Team der Hörstil Kids Erfurt hatten Workshops zu den Themen „Alltagsbezogene Kommunikation – Förderung mit einfachen und komplexen Sprachausgabegeräten“, „Musiktherapie bei Menschen mit Hörbeeinträchtigung“, „Schnupperkurs Deutsche Gebärdensprache (DGS)“, „Gebärdensprache in der Praxis“ und „Hörtechnik“ vorbereitet.

„Es war ein toller Tag! Wir konnten uns mit anderen Eltern austauschen und haben viel Neues erfahren“, resümierte Susann Strecker, die mit ihrem Mann den weiten Weg aus dem Eichsfeld zum Elterninformationstag auf sich genommen hatte. Aber nicht nur Eltern gaben positives Feedback auch Pädagogen und Fachkräfte im Betreuungsbereich betonten, dass sie durch die Veranstaltung neuen Input mit in ihre Arbeitsbereiche nehmen können.