Kommunikationstafeln unterstützen Kinder auf den Putbusser Spielplätzen

Mit den bunten Symbolen können sich auch Kinder mit eingeschränktem Sprachvermögen verständlich machen

Putbus​. Vorsichtig und ein wenig umständlich zieht Matthes Trettin die Schilder aus dem Kofferraum. Sehr schwer sind sie nicht – aber groß. Steffen Mohnke eilt zu Hilfe und nimmt eines der bedruckten Stahlbleche entgegen. Gemeinsam tragen sie die beiden Tafeln zur Eingangspforte der Schule für Hören und Kommunikation, wo sie schon erwartet werden: Schulleiter Torsten Jahnel und Logopädin Susan Schwede können es kaum erwarten, die bedruckten Platten mit den bunten Symbolen in Augenschein zu nehmen. Sie sollen künftig die Kommunikation von Kindern auf den Spielplätzen in Putbus ermöglichen – auch für Menschen mit Handicap im Hören oder Sprechen zum Beispiel. Denn Symbole brauchen keine Worte.

Tafeln sind aus Alublech mit Folienbeschichtung

„Das ist ja wunderbar geworden“, freut sich Susan Schwede und streicht vorsichtig über die witterungsbeständige Beschichtung. „Wir haben so viele Stunden daran gearbeitet und so viel Herzblut hineingesteckt. Wenn diese Kommunikationstafeln den Kindern nicht viel Spaß machen, weiß ich es auch nicht.“ 

Matthes Trettin freut sich über das Lob. In seinem Fotostudio hat er erst das Layout für die Tafeln und dann mit lösemittelfreier Tinte Ausdrucke auf speziellen Folien für den Außenbereich gemacht und diese Folien dann sorgfältig auf Alubleche aufgezogen. „Das war gar nicht so einfach, es sollten ja keine Blasen oder Risse entstehen. Ein paar Stunden hat mich das schon gekostet.“ Zeit, die der Fotograf an das Projekt gespendet hat. Auch das Bedrucken der Folien hat er nicht in Rechnung gestellt. „Ich bin selbst Vater und wünsche mir für Putbus eine offene Atmosphäre, in der Kinder sich ungezwungen miteinander verständigen können. Und wenn ich dazu beitragen kann, mache ich das sehr gerne.“

Idee ist an der Schule des Sonderpädagogischen Zentrums Putbus entstanden

Heute hat er gemeinsam mit Steffen Mohnke die Alubleche zur Schule des Sonderpädagogischen Zentrums Putbus gebracht, das dem Herbert-Feuchte-Stiftungsverbund angeschlossen ist. Hier ist die Idee zu den Kommunikationstafeln entstanden – und hier sollen die Alubleche in den Werkstätten zu stabilen Aufstellern umfunktioniert werden. Das Holz dafür liegt schon bereit.

„Wir beschulen momentan 45 Kinder hier in der Einrichtung, die sich natürlich auch in ihrer Freizeit in Putbus bewegen. Wir finden das Engagement der Putbusser Bürger toll, Kindern mit Einschränkungen die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen“, erklärt Schulleiter Jahnel. „Deshalb sind wir sehr gerne bereit, unsere Fachkompetenz in solche Projekte einzubringen und sie mit Rat und Tat zu unterstützen.“

Logopädin Susan Schwede nickt: „Unser Motto ist ‚Wir geben Kindern eine Sprache‘ – und als wir von der Spendeninitiative für das Rollikarussell erfahren haben (die OZ berichtete), hatten wir sofort die Idee für diese Kommunikationstafeln.“ Die Tafeln zeigen bunte Symbole, die sich zu komplexen Sätzen zusammensetzen lassen. „Wir hatten nur Platz für 66 Zeichen und haben lange überlegt, welche Begriffe die Kinder im Spiel genau hier wirklich brauchen“, erklärt Schwede. 

Das Wort „nochmal“ darf nicht fehlen

Tatsächlich zeigt eine der Tafeln das Symbol einer Kirche und eines Rehs – für jeden Putbusser lässt sich der Standort schon allein mit diesen Zeichen zuordnen. „Klar, diese Tafel ist für den Spielplatz am Wildgehege gedacht“, lacht Susan Schwede. Neben einzelnen Spielgeräten sind auch Symbole für „ich“ und „wir“, „nein“ und „ja“, „streiten“ und „Entschuldigung“ zu finden, ebenso wie das am häufigsten auf einem Spielplatz gebrauchte Wort: „nochmal“. „Mit der Tafel soll es möglich werden, Fragen zu stellen, Antworten zu geben, zu erzählen, zu kommentieren, zu protestieren – eben all das zu tun, was echte Kommunikation ausmacht“, erklärt Schwede. „Aber keine Angst, man muss nicht studiert haben, um diese Tafel zu nutzen. Je öfter man die Symbole benutzt, desto komplexer werden die Sachverhalte, die man damit ausdrücken kann.“

Kommunikationstafeln auch für Menschen ohne Deutschkenntnisse nutzbar

Susan Schwede hat die Symbole gemeinsam mit Erzieherin Iris Mandelkow erarbeitet und auf den Spielplätzen selbst ausprobiert. „Frau Mandelkow ist mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit behinderten Menschen sehr wichtig für das Projekt. Sie ist Großmutter von sechs gesunden Enkeln und weiß, wie es auf den Spielplätzen zugeht – und dass sich die Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Behinderung nicht unterscheidet. Deshalb sind unsere Tafeln auch für Menschen geeignet, die noch nicht so gut Deutsch sprechen.“ 

Auch ein Rollstuhlkarussel wird aufgebaut

Auch Steffen Mohnke hat die Kommunikationstafel getestet. Als Vater einer Tochter im Rollstuhl hat er gemeinsam mit anderen Engagierten ein Projekt für die Anschaffung eines Rollstuhlkarussells für den Spielplatz im Putbusser Park auf den Weg gebracht. Er und seine Familie nutzen die Kommunikationssymbole auch im Alltag. „Das funktioniert sehr gut – und ich bin schon sehr gespannt, wie die Kinder auf den Spielplätzen mit den Tafeln umgehen. Sie haben ja auch selbst Spielpotenzial, es macht unseren Kindern sehr viel Spaß, damit umzugehen. Sie sind auf jeden Fall eine Bereicherung für die Spielplätze.“ Die Kommunikationstafeln sollen im April gemeinsam mit dem Rollstuhlkarussell und einer Rollstuhlwippe auf den Spielplätzen aufgestellt werden – natürlich in Kinderhöhe.

Symbole mit System

Die genutzten Symbole auf den Kommunikationstafeln gehören zum Konzept der Unterstützten Kommunikation (UK). Sie sollen dabei helfen, sich effektiv mit Gesprächspartnern zu unterhalten, auch wenn diese sprechmotorische Störungen haben. Es gibt über 10.000 Symbole, die erweitert werden. Sie decken das Kernvokabular ab – das sind die 200 am häufigsten gesprochenen Wörter, die etwa 80 Prozent des Gesprochenen ausmachen – und das Randvokabular, das mit etwa 20 Prozent Gesprächsanteil situationsspezifische Wörter stellt. Die farbigen Ränder um die Symbole sind den Wortgruppen zugeordnet: So sind unter anderem Substantive schwarz umrandet, Verben rot und Adjektive blau.

Für Nachmacher:

Die Schule für Hören und Kommunikation freut sich über Anfragen und hilft Gemeinden und Initiativen gern bei der Ausarbeitung individueller Kommunikationstafeln für Orte der Begegnung. Kontakt: Susan Schwede, Telefon: 038301/882680, E-Mail: schwede_at_stiftungsverbund.de

 

Text und Bild:

Gaia Born

Freie Journalistin

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